13 Dezember 2019

„Liebt einander oder Ihr geht zugrunde“. (Dienstags bei Morrie)

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Klingelt ein Arschloch an der Tür... und ist keins. Wisst Ihr, warum Menschen zu lieben die Antwort auf fast alle Fragen ist? Weil man zum Weltfrieden beiträgt und sich im Alltag erheblich weniger aufregt. Wir haben im Frühling 9 Bäume in unseren Garten gepflanzt. Wegen Schönheit und Welt retten. Die Bäume sind schon erwachsen, alle um die 8 Meter hoch. An einem sonnigen Nachmittag um 16 Uhr klingelt der Nachbar vom hinten angrenzenden Grundstück. Ich kenne ihn nicht, weil ich ihn noch nie gesehen habe. Insbesondere im angrenzenden Garten habe ich ihn noch nie gesehen, denn der Garten ist eher eine wilde Wiese mit Obstbäumen, auf der Hühner rumlaufen. In der Hand hält der Nachbar einen Briefumschlag und kündigt mit grimmigem Unterton an: „Bei Baum x handelt es sich um einen Ahorn! Dieser darf mit 5m Abstand gepflanzt werden, was sie nicht getan haben! Ich räume ihnen eine Frist von 4 Wochen für das Umpflanzen des Baumes ein!“ Meine Reaktion auf sowas früher: 3, 2, 1... Rauschen im Ohr, Pulsschlag erhöht, ich fahre die Italienerin in mir hoch... und höre wie eine Brand-Rede aus meinem Mund kommt. Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass Menschen mit anderen Ansichten STÖREN, hat man eine miese Zeit. Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass sie das nicht GEGEN einen machen, sondern FÜR SICH, wird es etwas leichter 😅

Ich schaue den Nachbarn an. In Nano-Sekunden geht mir durch den Kopf: Wovor hat er wohl Angst? Worüber genau ist er wohl im Mangel? Will er das Gespräch hier wirklich haben? Was stört ihn EIGENTLICH? Wie ist sein Leben so? Ob er glücklich ist? Und ich reiche ihm die Hand und höre mich sehr freundlich sagen: „Schön, dass wir uns mal kennenlernen. Bevor sie mir den Umschlag geben, habe ich eine Frage. Mögen sie Bäume? Also freuen Sie sich manchmal, wenn sie Bäume sehen?“ Er ist irritiert und setzt wieder an „Äh... also der Ahorn... und die Hecke übrigens auch.. und die gesetzlichen Bestimmungen...“

„Ja, das verstehe ich. Und bei was genau stören sie die Bäume und die Hecke, so als Mensch?“ Er schaut verwirrt und schweigt. „Hä...?“ Er scheint für einen Moment sehr nachdenklich. Dann steigt er wieder in seinen Vortrag ein...

Ich stelle mir für mein Leben oft vor, dass es nur ein Videospiel ist. Manchmal springt man auf einen Pilz und kann fliegen und manchmal kommt ein Endboss. Der Nachbar ist ein Endboss für „Menschen lieben und sich trotzdem abgrenzen“. Ich nehme den Umschlag entgegen und sage zu ihm: „Ich habe keine Ahnung von Bäumen - außer, dass sie mir gefallen. Und ich habe keine Ahnung von gesetzlichen Bestimmungen. Dafür haben mein Mann und ich Experten beauftragt. Ich gebe ihren Brief einfach meinem Gartenarchitekten und meinem Anwalt. Die kümmern sich darum und wenn etwas korrigiert werden muss, wird es geregelt. Über alles andere können wir uns über den Zaun ab heute direkt unterhalten. Ok?“

Früher hätte ich über den Nachbarn gedacht, er ist ein Arschloch. Aber das ist er gar nicht! Er HAT nur eins - wie ich auch. Wir sind uns also in mindestens einer Hinsicht ähnlich 😂 Und er hat andere Standpunkte als ich. Zum Beispiel zu Bäumen. Aber es gehört zum Mensch sein nun mal dazu, dass wir unterschiedliche Standpunkte haben und dass diese manchmal kollidieren. Man kann den Widerstand dagegen aufgeben. Und auch die Gefühle dazu und die negative Meinung über andere Menschen - denn sie hilft so gar nicht, wenn ein Endboss kommt 😄 Man kann sogar soweit gehen und jeden Menschen, der als Endboss auftaucht, lieben. Denn man kann durch ihn etwas lernen. Und er ist ein Mensch und ich finde JEDER Mensch hat Liebe verdient. Und dann kann man dennoch sagen, was man will und was man nicht will. Vielleicht sogar deshalb, WEIL man Menschen liebt. Manchmal wirkt das entwaffnend und verbindend ❤️

Der Baum steht übrigens noch. Und er ist kein Ahorn, sondern ein Amberbaum und korrekt gepflanzt. Das habe ich inzwischen von den Experten gelernt 😅 Den Nachbarn sehe ich jetzt öfters im Garten. Er guckt seltener grimmig. Neulich hat er Bäume gepflanzt. Vielleicht hat er seine Liebe zu den Bäumen entdeckt? Oder zu den Menschen. Oder beides? Wer weiß das schon... wahrscheinlich war auch ich für ihn ein Endboss. Aber immerhin ein liebender Endboss ❤️🌳

Wer war in letzter Zeit Dein Endboss und was konntest Du durch ihn trainieren oder meistern?


Posted in Blog, Du und Dein Leben on 13. Dezember 2019 by Patrizia Voigtländer

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